Chronik
"Facettenreiches Bild einer Stadt im Münsterland"
Billerbeck. Das Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Uni Münster wird in den nächsten drei Jahren eine Stadtgeschichte verfassen. Die Autoren stellen ihr Konzept am 20. August um 20 Uhr in der Landwirtschaftsschule vor. Nach Angaben von Prof. Dr. Werner Freitag, Direktor des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster und wissenschaftlicher Leiter des Projekts „Billerbecker Stadtgeschichte“, wird sich das Konzept in vielerlei Hinsicht von den klassischen Stadtgeschichten unterscheiden. Die bislang eher kurzen Zusammenfassungen der Billerbecker Geschichte werden systematisch überarbeitet, vor allem aber werden die zentralen Etappen erstmals untersucht und dargestellt. Zwei Doktoranden des münsterschen Instituts werden für das 19. und das 20. Jahrhundert eine umfangreiche Studie erstellen. Historiker werden die Geschichte vor 1800 anhand thematischer Einzelaspekte in kleineren Beiträgen erläutern. Lebensbilder und Erinnerungsorte komplettieren die Stadtgeschichte Billerbecks nach den Worten Freitag „zu einer wissenschaftlich fundierten, jedoch gut lesbaren, anschaulichen und daher spannenden Publikation, die das facettenreiche Bild einer Stadt im Münsterland exemplarisch darstellen wird.“ Im Jahr 2012 soll der fertige Band der Öffentlichkeit präsentiert werden. In der Zwischenzeit wird es Präsentationen vor Ort, eine Geschichts-Werkstatt und eine Foto-Fundgrube geben, die es den Wissenschaftlern ermöglicht, in Kontakt zu den Billerbeckern und deren Geschichte(n) zu treten.
Das Institut für vergleichende Städtegeschichte hofft auf großes Interesse bei den Billerbeckern und setzt auf eine intensive Zusammenarbeit.
Quelle:
BA
Hier ein kleiner Überblick:
Bauerliche Kleinsiedlung
Archäologische Untersuchungen in der Johanniskirche (1983 - 85) haben ergeben, daß sie bereits um 780 als steinerner Bau bestanden hat.
St. Liudger hat also schon bei seinen Missionsreisen eine Kirche seines Vorgänger - Missionars, des Abtes Bernrad, vorgefunden.
Eine Kirche um 780 bedeutet aber, daß Billerbeck um diese Zeit bereits eine größere bäuerliche Siedlung war, die Mittelpunkt eines Kirchspiels wurde, zu dem viele Bauerschaften ringsum gehörten, damals auch noch die Dörfer Holthausen, das in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eigene Pfarrei wurde, und Darfeld, das im 12. Jh. abgepfarrt wurde. Die Pfarrei St. Johannes der Täufer zählt zu den Urpfarren des Bistums Münster.
St. Liudger, der 1. Bischof von Münster stirbt in Billerbeck
Am 26. März 809 starb in Billerbeck St. Liudger, der Missionar des Münsterlandes und erste Bischof von Münster (805 - 809). Diesem Faktum verdanken wir es, daß Billerbeck schon sehr viel früher als die meisten Orte des Münsterlandes in das Licht der Geschichte eintrat.
Dorf Billurbecci
Das eigentliche bäuerliche Dorf Billurbecci lag nicht bei den beiden Schultenhöfen im Süden, - der Boden war dort im Berkeltal großenteils sumpfig, - sondern mehr im ansteigenden nördlichen Bereich. Hier entstand auch der Marktplatz und im 11. Jh. eine Kapelle, die ursprünglich ein Nikolauspatrozinium hatte, später aber dem hl. Ludger geweiht wurde. Liudger Erweiterungen entstand die Ludgerikirche mit eigenem umfriedeten Kirchhof.
Pfarrkirche aber war und blieb die altehrwürdige Johanniskirche!
Pfarrer wurden in früheren Jahrhunderten immer nur Angehörige des Domkapitels zu Münster, die sich durch einen örtlichen Vikar vertreten ließen, die im Laufe der Zeit dann "Pastor" genannt wurden. Wirklicher Pfarrer ("Verus pastor") aber (mit den Einkünften seines Billerbecker Hofes) war ein adeliges Mitglied des Domkapitels zu Münster. Die Ludgerikirche - mit eigenen Einkünften - wurde durch einen geistlichen Rektor betreut. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden beide Ämter miteinander vereinigt.
Fürstbischöflicher Amtshof in Billerbeck
Größter Bauernhof Billerbecks war der Haupthof auf dem Grunde des heutigen "Richthofes" ; - ob er aus sächsischer Zeit stammte oder zur Zeit Karls des Großen (768 - 814) begründet wurde, läßt sich nicht nachweisen. Er war - wie noch heute der "Richthof" - von Gräften umgeben. Als 1180 Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, durch Kaiser Friedrich Barbarossa gestürzt wurde, erlangte Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen (1174 - 1203) die Würde eines Fürstbischofs. Es entstand das Fürstbistum Münster: die Bischöfe wurden bis zur Säkularisation (1803) auch weltliche Landesherren. Ein fürstbischöflicher Amtshof in Billerbeck wird erstmals im Jahre 1217 erwähnt.
Der Billerbecker Haupthof wurde mit einer Reihe "zehntpflichtiger" Höfe bischöflicher Besitz und wurde Sitz eines "Schulten" (Schultheißen/Bürgermeisters), der den Grundbesitz des Bischofs verwaltete und gleichzeitig "Burrichter" war (="Bauernrichter", z.B. bei Streitigkeiten wegen der gemeinsam benutzten Marken).
"verus pastor"
Der "verus pastor" hatte seinen Pfarrhof an der Südseite der Johanniskirche. Im 11. Jahrhundert wurde das Bistum Münster in "Archidiakonate" eingeteilt. Mit Warendorf, Beckum und Stadtlohn gehörte Billerbeck zu den vier bischöflichen Kaplaneien, die von einem Archidiakon, einem adeligen Domkanoniker, geleitet wurden. Der Archidiakon hatte seinen Amtssitz im Pfarrhof an der Johanniskirche, nun Archidiakonat genannt. Die Amtsgeschäfte führte aber ein Vikar; der Archidiakon kam nur zur Visitation seines kirchlichen Sprengels, zum "Sendgericht", nach Billerbeck. Es fand in der Johanniskirche statt, wo die Christen aus den Kirchspielen Billerbeck, Darfeld und Holthausen mit kleineren Strafen (z.B. einem Pfund Wachs) belegt wurden, wenn sie gegen Kirchengebote verstoßen hatten.
Als im Laufe der Jahrhunderte aus dem Vikar als Stellvertreter des Archidiakons ein Pastor/Pfarrer geworden war, wurde nördlich der Johanniskirche die Pastorat erbaut. Das letzte dieser Gebäude, 1840 aus Baumberger Sandstein errichtet, steht noch heute am Johanniskirchplatz (Nr.1).
Billerbeck erhält StadtrechteIm 13. Jahrhundert entwickelte sich aus der bäuerlichen eine Handwerker- und Handelssiedlung. Neben dem bischöflichen Schulten auf dem "Richthof" residierte in Billerbeck noch ein bischöflicher Amtmann, der das "Amt Billerbeck" verwaltete. Die Bischöfe hatten als Landesherren das natürliche Bestreben, ihre Herrschaft zu festigen und auszuweiten. So erwarb Bischof Gerhard von der Mark (1261 - 1272) im Jahre 1269 die Herrschaft Horstmar durch Kauf, was sich aber für Billerbecks weitere Entwicklung außerordentlich negativ auswirkte: Der Amtmann wurde nach Horstmar abgezogen, es entstand das fürstbischöfliche Amt Horstmar, das bis zur Säkularisation 1803 bestanden hat!
Trotzdem gehörte Billerbeck schon von seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung her zu den privilegierten Orten des Fürstbistums.
Da der Bischof, wie auch die anderen Landesherren, vielfach in Fehden verwickelt war, mußte er zur Sicherung seiner Herrschaft Burgen anlegen und andere befestigte Plätze schaffen. So erhielt Billerbeck bereits am 18. Februar 1302 durch Bischof Otto III. von Rietberg (1301 - 1308) Stadtrechte
Stadtrechte
Die Urkunde beginnt: "Wy Otto von der gnade Godes bisschop tho Munster maket kundlich, ... dat wy wyllet hebben ein stedeken von unsen dorpe tho Bilrebecke ..." Der Bischof garantierte: " ... Voertmer soe de borgerie (=Bürgerschaft) ...dat selve recht und privilegien, alse dat recht und privilegien hebbet de borgere van Münster ..."
Faktisch schränkte er die Stadtrechte aber zu sogenannten Wigboldrechten ein, indem die Rechte seines Schulten auf dem "Richthof" nicht beschnitten werden sollten.
Billerbeck erhielt Marktrechte, zunächst zwei, später bis zu vier Märkte. Die Bürger der Stadt mußten in Gerichtssachen nicht mehr zum Gogericht Hastehausen (bei Darup), wo der bischöfliche Schulte als "Gograf" Gericht hielt: Von jetzt an war er auch Stadtrichter in Billerbeck; so bürgerte sich im Laufe der Zeit der Name "Richthof" für den Biscopinghof ein.
Pestepedemie
Als im 14. Jahrhundert der "schwarze Tod", die Pest, nach Europa eingeschleppt wurde, mußte auch Billerbeck im Jahre 1382 dieser verheerenden Seuche ihren Tribut zollen.
Aktenmäßig ist darüber nichts Genaueres bekannt, weil das alte Billerbecker Stadtarchiv durch Kriegseinwirkungen und den verheerenden Stadtbrand von 1667, dem auch das Rathaus zum Opfer fiel, unersetzliche Verluste erlitten hat.
Mündlich überliefert wurde, daß durch die Pest einzelne Stadtteile längere Zeit unbewohnt gewesen seien und sich gar Wölfe eingenistet hätten. Nachzuweisen ist aber ein Pestfriedhof auf dem Aaberg in der Bauerschaft Langenhorst.
Geschichtliche Daten 16. bis 18. Jahrhundert
1548 Die Wiedertäufer setzen die Stadt in Brand
Das 16. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Reformation, der Glaubenskämpfe, wovon auch Billerbeck nicht verschont wurde. Nach Niederschlagung der Wiedertäufer - Herrschaft in Münster (1534/35) steckten versprengte Reste unsere Stadt im Jahre 1548 an fünf Ecken , - wohl bei den fünf Stadttoren - an; Billerbeck lag anschließend zur Hälfte in Schutt und Asche.
Die Freilichtbühne Billerbeck führte im Jahre 1996 ein Bühnenstück hierüber im Rahmen der Domfestspiele auf.
1589 Überfall von 500 holländichen Reitern
Kaum erholt vom Stadtbrand durch die Wiedertäufer, wurde Billerbeck 1589 durch den Freiheitskampf der Niederlande gegen Spanien in Mitleidenschaft gezogen: 500 holländische Reiter aus Lochem plünderten unsere Stadt und nahmen noch den Pastor als Geisel mit.
1618-1648 Truppeneinquartierungen während des 30jährigen Krieges
Auch die folgenden Jahrhunderte brachten den Bürgern der Stadt keine ausreichend langen Friedenszeiten, um den Wohlstand zu mehren: Der 30 jährige Krieg (1618 - 1648), der 7 jährige Krieg (1756 - 63), die napoleonischen Kriege, - immer wieder mußten die Bürger bluten und sich hoch verschulden, um die Kontributionen aufbringen zu können. Billerbeck blieb die kleine Stadt der Ackerbürger, Handwerker und Kaufleute.
1658 Neubau der Schule am Johanniskirchhof
Als Bischof Christoph Bernhard von Galen (1650 - 1678) im Jahre 1658 den Neubau der Schule am Johanniskirchhof befahl, gab es 160 Hausstätten in der Stadt, die "schatzungspflichtig" waren, also einen Geldbetrag zum Neubau der Schule zahlen mußten.
1667 Große Feuersbrunst
Im Jahre 1667 zerstörte ein großer Brand einen Großteil der Stadt, auch das Rathaus mit dem Stadtarchiv. Erst 1981 wurde im Archiv des Fürsten zu Salm - Horstmar eine Abschrift der Stadtrechts - Urkunde gefunden, nach der man so lange vergeblich geforscht hatte.
Geschichtliche Daten 19. Jahrhundert
1802-1815 Billerbeck gehört zum Kaiserreich Frankreich
1803 ging mit dem Reichsdeputationshauptschluß die Herrschaft der Fürstbischöfe zu Ende. Die linksrheinischen Fürsten, die ihre Territorien an Napoleon verloren hatten, wurden durch Aufteilung der Fürstbistümer entschädigt. Das bischöfliche Amt Horstmar fiel mit Billerbeck an die "Wild - und Rheingrafen" von Salm - Grumbach, die späteren Fürsten von Salm - Horstmar. Residenz wurde Schloß Varlar.
1806 löste Napoleon die Grafschaft Horstmar bereits auf, sie fiel an das Großherzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf; Großherzog wurde der Marschall Murat, ein Schwager Napoleons. 1808 nimmt Napoleon das Großherzogtum Berg in eigene Verwaltung, Billerbeck wird "Kanton", "Arrondissement" Coesfeld, "Departement der Ems". Freiherr von Twickel, Havixbeck, wird "Maire" (Bürgermeister). 1810 schließt Napoleon den ganzen Nordwesten Deutschlands dem Kaiserreich Frankreich an, um die "Kontinentalsperre" besser durchsetzen zu können. Die "Mairie" bildet weiterhin den Kanton Billerbeck, gehört nun aber zum Arrondissement Steinfurt und "Departement der Lippe".
1815 Billerbeck kommt zu Preußen
Mit Napoleons Zug nach Rußland (1812), der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) und dem Wiener Kongreß (1814/15) endet die Ära Napoleon, Billerbeck kommt zum preußischen Kreis Coesfeld.
1812 legte Maire v. Twickel sein Amt nieder, Nachfolger wurde bis 1816 Dr. Arnold Cormann, anschließend dessen Sohn Caspar Cormann bis zu seinem Tode im Jahre 1835.
1835-1872 Bürgermeister/Amtmann Carl Massonneau
Von 1835 bis 1872 regierte auf dem Rathause als Bürgermeister/Amtmann Carl Massonneau. Er war ein energischer, fleißiger, auch weitblickender, kreativer Verwaltungsbeamter. Während seiner Amtszeit machte Billerbeck einen bedeutenden Schritt nach vorn in seiner Eigenschaft als kleiner Zentralort: Insbesondere das Schulwesen wurde durch Einrichtung einer eigenständigen Vorschule (1841) und Gründung einer Rektoratschule (1858) entscheidend verbessert; 1864 erhielt Billerbeck ein Krankenhaus und 1866 ein eigenes Kreditinstitut, die Stadtsparkasse zu Billerbeck .
Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) konnte auch Billerbeck in bescheidenem Maße am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben. 1895 wurde bereits als zweites Kreditinstitut die Spar - und Darlehnskasse gegründet.
1892-1898 Bau der Wallfahrtskirche (Propsteikirche) St. Ludgerus
1892 Neubau des Rathauses
Geschichtliche Daten 20. Jahrhundert
1907-1932 Chronologische Nachrichten aus der 25jährigen Amtszeit
1933 Machtübernahme durch die NSDAP
30.03.1945 Zum Ende des 2. Weltkrieges ziehen amerikanische Truppen ein
1959 Auszüge aus dem Aufsatz Die Kommunalpolitischen Verhältnisse im Amte Billerbeck
von Amtsdirektor i. R. Heinrich Elkmann aus Liudgerus Stadt Billerbeck von P. Dr. Basilius Senger OSD
1969 Durch den Gebietsänderungsvertrag vom 28. Januar 1969
haben sich die drei selbständigen Gemeinden Stadt Billerbeck, Kirchspiel Billerbeck und Beerlage mit Wirkung vom 1. Juli 1969 zur Stadt Billerbeck zusammengeschlossen. Eingemeindet wurden die Bauerschaften: Alstätte, Bockelsdorf, Bombeck, Dörholt, Gantweg, Gerleve, Hamern, Lutum, Osthellen, Osthellermark und Westhellen - alle ehemaliges Kirchspiel Aulendorf, Esking, Langenhorst und Temming - alle ehemalige Beerlage.
Billerbeck. Das Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Uni Münster wird in den nächsten drei Jahren eine Stadtgeschichte verfassen. Die Autoren stellen ihr Konzept am 20. August um 20 Uhr in der Landwirtschaftsschule vor. Nach Angaben von Prof. Dr. Werner Freitag, Direktor des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster und wissenschaftlicher Leiter des Projekts „Billerbecker Stadtgeschichte“, wird sich das Konzept in vielerlei Hinsicht von den klassischen Stadtgeschichten unterscheiden. Die bislang eher kurzen Zusammenfassungen der Billerbecker Geschichte werden systematisch überarbeitet, vor allem aber werden die zentralen Etappen erstmals untersucht und dargestellt. Zwei Doktoranden des münsterschen Instituts werden für das 19. und das 20. Jahrhundert eine umfangreiche Studie erstellen. Historiker werden die Geschichte vor 1800 anhand thematischer Einzelaspekte in kleineren Beiträgen erläutern. Lebensbilder und Erinnerungsorte komplettieren die Stadtgeschichte Billerbecks nach den Worten Freitag „zu einer wissenschaftlich fundierten, jedoch gut lesbaren, anschaulichen und daher spannenden Publikation, die das facettenreiche Bild einer Stadt im Münsterland exemplarisch darstellen wird.“ Im Jahr 2012 soll der fertige Band der Öffentlichkeit präsentiert werden. In der Zwischenzeit wird es Präsentationen vor Ort, eine Geschichts-Werkstatt und eine Foto-Fundgrube geben, die es den Wissenschaftlern ermöglicht, in Kontakt zu den Billerbeckern und deren Geschichte(n) zu treten.
Das Institut für vergleichende Städtegeschichte hofft auf großes Interesse bei den Billerbeckern und setzt auf eine intensive Zusammenarbeit.
Quelle:
BA
Hier ein kleiner Überblick:
Bauerliche Kleinsiedlung
Archäologische Untersuchungen in der Johanniskirche (1983 - 85) haben ergeben, daß sie bereits um 780 als steinerner Bau bestanden hat.
St. Liudger hat also schon bei seinen Missionsreisen eine Kirche seines Vorgänger - Missionars, des Abtes Bernrad, vorgefunden.
Eine Kirche um 780 bedeutet aber, daß Billerbeck um diese Zeit bereits eine größere bäuerliche Siedlung war, die Mittelpunkt eines Kirchspiels wurde, zu dem viele Bauerschaften ringsum gehörten, damals auch noch die Dörfer Holthausen, das in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eigene Pfarrei wurde, und Darfeld, das im 12. Jh. abgepfarrt wurde. Die Pfarrei St. Johannes der Täufer zählt zu den Urpfarren des Bistums Münster.
St. Liudger, der 1. Bischof von Münster stirbt in Billerbeck
Am 26. März 809 starb in Billerbeck St. Liudger, der Missionar des Münsterlandes und erste Bischof von Münster (805 - 809). Diesem Faktum verdanken wir es, daß Billerbeck schon sehr viel früher als die meisten Orte des Münsterlandes in das Licht der Geschichte eintrat.
Dorf Billurbecci
Das eigentliche bäuerliche Dorf Billurbecci lag nicht bei den beiden Schultenhöfen im Süden, - der Boden war dort im Berkeltal großenteils sumpfig, - sondern mehr im ansteigenden nördlichen Bereich. Hier entstand auch der Marktplatz und im 11. Jh. eine Kapelle, die ursprünglich ein Nikolauspatrozinium hatte, später aber dem hl. Ludger geweiht wurde. Liudger Erweiterungen entstand die Ludgerikirche mit eigenem umfriedeten Kirchhof.
Pfarrkirche aber war und blieb die altehrwürdige Johanniskirche!
Pfarrer wurden in früheren Jahrhunderten immer nur Angehörige des Domkapitels zu Münster, die sich durch einen örtlichen Vikar vertreten ließen, die im Laufe der Zeit dann "Pastor" genannt wurden. Wirklicher Pfarrer ("Verus pastor") aber (mit den Einkünften seines Billerbecker Hofes) war ein adeliges Mitglied des Domkapitels zu Münster. Die Ludgerikirche - mit eigenen Einkünften - wurde durch einen geistlichen Rektor betreut. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden beide Ämter miteinander vereinigt.
Fürstbischöflicher Amtshof in Billerbeck
Größter Bauernhof Billerbecks war der Haupthof auf dem Grunde des heutigen "Richthofes" ; - ob er aus sächsischer Zeit stammte oder zur Zeit Karls des Großen (768 - 814) begründet wurde, läßt sich nicht nachweisen. Er war - wie noch heute der "Richthof" - von Gräften umgeben. Als 1180 Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, durch Kaiser Friedrich Barbarossa gestürzt wurde, erlangte Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen (1174 - 1203) die Würde eines Fürstbischofs. Es entstand das Fürstbistum Münster: die Bischöfe wurden bis zur Säkularisation (1803) auch weltliche Landesherren. Ein fürstbischöflicher Amtshof in Billerbeck wird erstmals im Jahre 1217 erwähnt.
Der Billerbecker Haupthof wurde mit einer Reihe "zehntpflichtiger" Höfe bischöflicher Besitz und wurde Sitz eines "Schulten" (Schultheißen/Bürgermeisters), der den Grundbesitz des Bischofs verwaltete und gleichzeitig "Burrichter" war (="Bauernrichter", z.B. bei Streitigkeiten wegen der gemeinsam benutzten Marken).
"verus pastor"
Der "verus pastor" hatte seinen Pfarrhof an der Südseite der Johanniskirche. Im 11. Jahrhundert wurde das Bistum Münster in "Archidiakonate" eingeteilt. Mit Warendorf, Beckum und Stadtlohn gehörte Billerbeck zu den vier bischöflichen Kaplaneien, die von einem Archidiakon, einem adeligen Domkanoniker, geleitet wurden. Der Archidiakon hatte seinen Amtssitz im Pfarrhof an der Johanniskirche, nun Archidiakonat genannt. Die Amtsgeschäfte führte aber ein Vikar; der Archidiakon kam nur zur Visitation seines kirchlichen Sprengels, zum "Sendgericht", nach Billerbeck. Es fand in der Johanniskirche statt, wo die Christen aus den Kirchspielen Billerbeck, Darfeld und Holthausen mit kleineren Strafen (z.B. einem Pfund Wachs) belegt wurden, wenn sie gegen Kirchengebote verstoßen hatten.
Als im Laufe der Jahrhunderte aus dem Vikar als Stellvertreter des Archidiakons ein Pastor/Pfarrer geworden war, wurde nördlich der Johanniskirche die Pastorat erbaut. Das letzte dieser Gebäude, 1840 aus Baumberger Sandstein errichtet, steht noch heute am Johanniskirchplatz (Nr.1).
Billerbeck erhält StadtrechteIm 13. Jahrhundert entwickelte sich aus der bäuerlichen eine Handwerker- und Handelssiedlung. Neben dem bischöflichen Schulten auf dem "Richthof" residierte in Billerbeck noch ein bischöflicher Amtmann, der das "Amt Billerbeck" verwaltete. Die Bischöfe hatten als Landesherren das natürliche Bestreben, ihre Herrschaft zu festigen und auszuweiten. So erwarb Bischof Gerhard von der Mark (1261 - 1272) im Jahre 1269 die Herrschaft Horstmar durch Kauf, was sich aber für Billerbecks weitere Entwicklung außerordentlich negativ auswirkte: Der Amtmann wurde nach Horstmar abgezogen, es entstand das fürstbischöfliche Amt Horstmar, das bis zur Säkularisation 1803 bestanden hat!
Trotzdem gehörte Billerbeck schon von seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung her zu den privilegierten Orten des Fürstbistums.
Da der Bischof, wie auch die anderen Landesherren, vielfach in Fehden verwickelt war, mußte er zur Sicherung seiner Herrschaft Burgen anlegen und andere befestigte Plätze schaffen. So erhielt Billerbeck bereits am 18. Februar 1302 durch Bischof Otto III. von Rietberg (1301 - 1308) Stadtrechte
Stadtrechte
Die Urkunde beginnt: "Wy Otto von der gnade Godes bisschop tho Munster maket kundlich, ... dat wy wyllet hebben ein stedeken von unsen dorpe tho Bilrebecke ..." Der Bischof garantierte: " ... Voertmer soe de borgerie (=Bürgerschaft) ...dat selve recht und privilegien, alse dat recht und privilegien hebbet de borgere van Münster ..."
Faktisch schränkte er die Stadtrechte aber zu sogenannten Wigboldrechten ein, indem die Rechte seines Schulten auf dem "Richthof" nicht beschnitten werden sollten.
Billerbeck erhielt Marktrechte, zunächst zwei, später bis zu vier Märkte. Die Bürger der Stadt mußten in Gerichtssachen nicht mehr zum Gogericht Hastehausen (bei Darup), wo der bischöfliche Schulte als "Gograf" Gericht hielt: Von jetzt an war er auch Stadtrichter in Billerbeck; so bürgerte sich im Laufe der Zeit der Name "Richthof" für den Biscopinghof ein.
Pestepedemie
Als im 14. Jahrhundert der "schwarze Tod", die Pest, nach Europa eingeschleppt wurde, mußte auch Billerbeck im Jahre 1382 dieser verheerenden Seuche ihren Tribut zollen.
Aktenmäßig ist darüber nichts Genaueres bekannt, weil das alte Billerbecker Stadtarchiv durch Kriegseinwirkungen und den verheerenden Stadtbrand von 1667, dem auch das Rathaus zum Opfer fiel, unersetzliche Verluste erlitten hat.
Mündlich überliefert wurde, daß durch die Pest einzelne Stadtteile längere Zeit unbewohnt gewesen seien und sich gar Wölfe eingenistet hätten. Nachzuweisen ist aber ein Pestfriedhof auf dem Aaberg in der Bauerschaft Langenhorst.
Geschichtliche Daten 16. bis 18. Jahrhundert
1548 Die Wiedertäufer setzen die Stadt in Brand
Das 16. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Reformation, der Glaubenskämpfe, wovon auch Billerbeck nicht verschont wurde. Nach Niederschlagung der Wiedertäufer - Herrschaft in Münster (1534/35) steckten versprengte Reste unsere Stadt im Jahre 1548 an fünf Ecken , - wohl bei den fünf Stadttoren - an; Billerbeck lag anschließend zur Hälfte in Schutt und Asche.
Die Freilichtbühne Billerbeck führte im Jahre 1996 ein Bühnenstück hierüber im Rahmen der Domfestspiele auf.
1589 Überfall von 500 holländichen Reitern
Kaum erholt vom Stadtbrand durch die Wiedertäufer, wurde Billerbeck 1589 durch den Freiheitskampf der Niederlande gegen Spanien in Mitleidenschaft gezogen: 500 holländische Reiter aus Lochem plünderten unsere Stadt und nahmen noch den Pastor als Geisel mit.
1618-1648 Truppeneinquartierungen während des 30jährigen Krieges
Auch die folgenden Jahrhunderte brachten den Bürgern der Stadt keine ausreichend langen Friedenszeiten, um den Wohlstand zu mehren: Der 30 jährige Krieg (1618 - 1648), der 7 jährige Krieg (1756 - 63), die napoleonischen Kriege, - immer wieder mußten die Bürger bluten und sich hoch verschulden, um die Kontributionen aufbringen zu können. Billerbeck blieb die kleine Stadt der Ackerbürger, Handwerker und Kaufleute.
1658 Neubau der Schule am Johanniskirchhof
Als Bischof Christoph Bernhard von Galen (1650 - 1678) im Jahre 1658 den Neubau der Schule am Johanniskirchhof befahl, gab es 160 Hausstätten in der Stadt, die "schatzungspflichtig" waren, also einen Geldbetrag zum Neubau der Schule zahlen mußten.
1667 Große Feuersbrunst
Im Jahre 1667 zerstörte ein großer Brand einen Großteil der Stadt, auch das Rathaus mit dem Stadtarchiv. Erst 1981 wurde im Archiv des Fürsten zu Salm - Horstmar eine Abschrift der Stadtrechts - Urkunde gefunden, nach der man so lange vergeblich geforscht hatte.
Geschichtliche Daten 19. Jahrhundert
1802-1815 Billerbeck gehört zum Kaiserreich Frankreich
1803 ging mit dem Reichsdeputationshauptschluß die Herrschaft der Fürstbischöfe zu Ende. Die linksrheinischen Fürsten, die ihre Territorien an Napoleon verloren hatten, wurden durch Aufteilung der Fürstbistümer entschädigt. Das bischöfliche Amt Horstmar fiel mit Billerbeck an die "Wild - und Rheingrafen" von Salm - Grumbach, die späteren Fürsten von Salm - Horstmar. Residenz wurde Schloß Varlar.
1806 löste Napoleon die Grafschaft Horstmar bereits auf, sie fiel an das Großherzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf; Großherzog wurde der Marschall Murat, ein Schwager Napoleons. 1808 nimmt Napoleon das Großherzogtum Berg in eigene Verwaltung, Billerbeck wird "Kanton", "Arrondissement" Coesfeld, "Departement der Ems". Freiherr von Twickel, Havixbeck, wird "Maire" (Bürgermeister). 1810 schließt Napoleon den ganzen Nordwesten Deutschlands dem Kaiserreich Frankreich an, um die "Kontinentalsperre" besser durchsetzen zu können. Die "Mairie" bildet weiterhin den Kanton Billerbeck, gehört nun aber zum Arrondissement Steinfurt und "Departement der Lippe".
1815 Billerbeck kommt zu Preußen
Mit Napoleons Zug nach Rußland (1812), der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) und dem Wiener Kongreß (1814/15) endet die Ära Napoleon, Billerbeck kommt zum preußischen Kreis Coesfeld.
1812 legte Maire v. Twickel sein Amt nieder, Nachfolger wurde bis 1816 Dr. Arnold Cormann, anschließend dessen Sohn Caspar Cormann bis zu seinem Tode im Jahre 1835.
1835-1872 Bürgermeister/Amtmann Carl Massonneau
Von 1835 bis 1872 regierte auf dem Rathause als Bürgermeister/Amtmann Carl Massonneau. Er war ein energischer, fleißiger, auch weitblickender, kreativer Verwaltungsbeamter. Während seiner Amtszeit machte Billerbeck einen bedeutenden Schritt nach vorn in seiner Eigenschaft als kleiner Zentralort: Insbesondere das Schulwesen wurde durch Einrichtung einer eigenständigen Vorschule (1841) und Gründung einer Rektoratschule (1858) entscheidend verbessert; 1864 erhielt Billerbeck ein Krankenhaus und 1866 ein eigenes Kreditinstitut, die Stadtsparkasse zu Billerbeck .
Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) konnte auch Billerbeck in bescheidenem Maße am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben. 1895 wurde bereits als zweites Kreditinstitut die Spar - und Darlehnskasse gegründet.
1892-1898 Bau der Wallfahrtskirche (Propsteikirche) St. Ludgerus
1892 Neubau des Rathauses
Geschichtliche Daten 20. Jahrhundert
1907-1932 Chronologische Nachrichten aus der 25jährigen Amtszeit
1933 Machtübernahme durch die NSDAP
30.03.1945 Zum Ende des 2. Weltkrieges ziehen amerikanische Truppen ein
1959 Auszüge aus dem Aufsatz Die Kommunalpolitischen Verhältnisse im Amte Billerbeck
von Amtsdirektor i. R. Heinrich Elkmann aus Liudgerus Stadt Billerbeck von P. Dr. Basilius Senger OSD
1969 Durch den Gebietsänderungsvertrag vom 28. Januar 1969
haben sich die drei selbständigen Gemeinden Stadt Billerbeck, Kirchspiel Billerbeck und Beerlage mit Wirkung vom 1. Juli 1969 zur Stadt Billerbeck zusammengeschlossen. Eingemeindet wurden die Bauerschaften: Alstätte, Bockelsdorf, Bombeck, Dörholt, Gantweg, Gerleve, Hamern, Lutum, Osthellen, Osthellermark und Westhellen - alle ehemaliges Kirchspiel Aulendorf, Esking, Langenhorst und Temming - alle ehemalige Beerlage.








